Montag, 1. dezember 2008

 

 

Unser Erbgut gibt nicht starr und unveränderlich unser Schicksal vor. Die Gene stehen in ständigem Austausch mit der Umwelt und reagieren extrem flexibel auf Einflüsse von außen.

 

"Eine neue Disziplin, die "Epigenetik", räumt mit alten Vorstellungen auf: Gene sind nicht starr, sondern ein Leben lang formbar. Wir selbst können sie durch den Lebensstil, etwa die Ernährung, an- oder ausschalten. Genetisch beeinflussten Krankheiten lässt sich so vorbeugen. Sogar über das eigene Leben hinaus: bei Kindern und Kindeskindern."

 

Die zentrale Aussage der Epigenetik lautet: Nicht nur die Gene prägen den Menschen, der Mensch prägt auch seine Gene. Die Erkenntnisse sollen unser Verständnis von der Entstehung, Therapie, aber auch von der Vorbeugung von Krankheiten revolutionieren.

 

 

In wie weit schon Schlussfolgerungen aus den bisherigen Forschungsergebnissen, die zu einem großen Teil auf Tierversuchen beruhen, gezogen werden können, darüber  streiten Genetiker, Pharmakologen und Neurowissenschaftler derzeit.

 

 

DIE SCHALTHEBEL DES ERBGUTS

"Drei wesentliche epigentische Mechansimen sind bislang bekannt. Sie regeln, welche Gene aktiv sind.

Methylierung:
Methylgruppen schalten Gene ab.

Histonmodifikation:
Eiweiße, die DNA verpacken, werden umgebaut.

RNA-Interferenz:

Der genetische Code der DNA wird in die ähnliche RNA übersetzt. Bestimmte RNA-Schnipsel können verhindern, dass Proteine produziert werden, oder die Verpackung der DNA ändern. Manchmal werden die RNA-Stücke auf die Nachkommen übertragen. Prägen sie ein bestimmtes Merkmal, tragen die Nachkommen auch diese Eigenschaft. RNA wird so quasi zum Erbmolekül."

 

 

"Unstreitig aber werfen sie große Fragen auf: Können psychische Traumata in der frühen Kindheit das Erbgut verändern und so später zu einer Depression führen? Wenn sich Menschen falsch ernähren, setzen sie damit in ihrem Körper Gene außer Gefecht, die sie vor Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt schützen? Und sind epigenetische Veränderungen im Erbgut möglicherweise so stabil, dass die Betroffenen sie sogar an ihre Kinder und Enkel vererben? Dass also zum Beispiel ein junger Mann auf die Gesundheit seines künftigen Sohnes Einfluss nimmt, wenn er raucht oder sich ausschließlich von Junkfood ernährt - lange bevor er ihn zeugt."

 

 

Erste epigenetische Medikamente sind bereits im Einsatz, praktische Tipps zu einer epigentischen Diät, wie man sein Leben verändern kann, um "seine Gene zu schonen", wird es in absehbarer Zeit jedoch nicht geben.

 

Wie kann man die komplexe Methylisierungsmaschinerie in den Körperzellen durch eine "epigenetische Diät" oder Nahrungsmittelzusätze beeinflussen? Da werden wir noch eine Zeit lang auf seriöse Antworten warten müssen.

 

 

"Viel eher lässt die Epigenetik die ewig gültigen Grundsätze der gesunden Lebensführung in neuem Licht erscheinen: Wer sich vielseitig und gemüsereich ernährt, öfter mal Sport treibt und auf die Gesundheit der Seele achtet, minimiert gesundheitliche Risiken - und trägt dabei nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern wahrscheinlich auch für seine Kinder und Enkel."

 

 

von équilibriste - veröffentlicht in: Lebensstil, Ernährung, Prävention - Community: Wellness und Gesundheit
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