Körperliche Inaktivität führt bei Erwachsenen zu einer Reduktion der körperlichen Leistungsfähig-keit bzw. Fitness. Diese ist mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität sowie entsprechenden Risikofaktoren, insbesondere Typ-2-Diabetes, verbunden
. Weitere Folgen können Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates (z. B. Osteoporose), des Kreislaufsystems und des Immunsystems sein.
Für Kinder gibt es keine vergleichbaren Untersuchungen. Vermutlich sind aber langfristig ähnliche ge-sundheitliche Folgeerscheinungen zu erwarten. Eine längerfristige Immobilisierung kann eine Stagna-tion bzw. Retardierung der körperlichen und (psycho)motorischen Entwicklung zur Folge haben.
Fördern Freizeitaktivitäten die Gesundheit?
Aufgrund der engen Verbindungen verschiedener beteiligter zentral-nervöser Systeme stellt Bewegung auch Stimuli für psychische und damit wiederum vegetative und endokrine Prozesse dar. Diese nehmen ihrerseits Einfluss auf die Bewegung und Wahrnehmung. Damit unterstützt Bewegung die gesamte Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes, z. B. die Ent-wicklung eines positiven Selbst-konzeptes, emotionaler und so-zialer Stabilität und kognitiver Kompetenz.
Einschränkungen in der Quantität und Qualität von Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen können zu motorischer Unruhe, Ungeschick und Bewegungsunlust sowie emo-tionaler Labilität, Konzentrations- und Antriebsstörungen führen.
Bös et al. konnten bei 1.442 befragten Kindern (6 bis 10 Jahre) zwischen 40 und 70 % Befindlichkeitsstörungen nachweisen, vor allem Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen sowie Konzentrationsstörungen. Ob sich tatsächlich ein negativer Einfluss auf den Schulerfolg bzw. die akademi-sche Laufbahn zeigt, ist noch nicht abschließend geklärt 10. Dennoch führen Bewegungsmangel und dar-aus resultierende motorische Defizite bzw. eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit sowie ein Mangel an elementarer Wahrnehmungs-erfahrung zu einem Teufelskreis: Über fehlende Erfolgserlebnisse kann dieser zu einer zunehmenden Meidung von Bewegungsaktivitäten und Bevorzugung inaktiver Freizeitbeschäftigungen führen.
Bewegungsmangel gilt daher weiter-hin als wesentlicher Risikofaktor in der Entstehung von Übergewicht. Insbesondere ein erhöhter Fernsehkonsum wird mit der Entstehung von Übergewicht und Adipositas in Verbindung gebracht
7. Die gesundheitlichen Folgen der kindlichen Adi-positas sind inzwischen vielfältig belegt und entsprechen denen der Erwachsenen 2. In welchem Umfang der Bewegungsmangel ursächlich in diese Pathogenese eingebunden ist, kann derzeit nur spekuliert werden 6. Sicher ist jedoch – zumindest bei Er-wachsenen – die protektive Wirkung von Bewegung auf den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Aber auch in der Therapie der Adipositas ist Bewegung in jedem Lebensalter wichtig.
PD Dr. med. Dr. Sportwiss. Christine Graf,
Korrespondenzadresse
c.graf@dshs-koeln.de
PHOENIX 4/2007 LEBENSQUALITÄT & BEWEGUNG 11
seit 1996 wis-senschaftl. Mitarbeiterin, seit 2002 Oberärztin am Institut für Kreislaufforschung und Sport-medizin der DSHS Köln; wis-senschaftl. Schwerpunkte: Körperliche Aktivität in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen und Übergewicht; Adipositas; Kinder- und Jugendsportmedizin.Kommentar hinzufügen Kommentare (0) Trackback erstellen empfehlen










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